Aus dem Bericht zum Ostercamp im TanzLabor

02.04.2026

Eine Woche voller Energie, Verantwortung und überraschender Perspektivwechsel – das Ostercamp im TanzLabor mit "Bad Honnef tanzt"

Schon bevor die ersten Kinder überhaupt da sind, ist klar: Diese Woche wird intensiv. Am Samstag,
einen Tag vor dem eigentlichen Start des fünftägigen Ostercamps der Künste, treffen sich 20
jugendliche im TanzLabor in der ehemaligen Hochschule Bad Honnef. Denn in der kommenden
Woche wechseln sie die Perspektive: Sie werden zu Leiterinnen für über 60 Grundschulkinder in 6
Kunstsparten. Was folgt, ist kein lockeres „Vorbereiten“, sondern ein konzentrierter, gemeinsamer
Kraftakt. Räume werden eingerichtet, Materialien sortiert, Kostüme für 68 Kinder in Kisten gepackt,
Gruppen eingeteilt. Gleichzeitig setzen sich die Jugendlichen mit Verhaltenskodex und
Schutzkonzept auseinander, planen Abläufe und feilen an ihren Workshop-Ideen. Es ist spürbar: Sie
nehmen ihre Rolle ernst und sind sogar ein wenig aufgeregt.


Am Sonntag wird es dann lebendig. Rund 90 Menschen – Kinder, Jugendliche und das kleine
erwachsene Leitungsteam – kommen zusammen. Auf der Wiese vorm Tanzraum wird getanzt,
gelacht, sich kennengelernt. Die ersten Stunden gehören dem Ankommen, dem gemeinsamen
Start, dem Hineinfinden in eine Woche, die schnell an Tempo gewinnt.


Jeder Morgen beginnt mit einem Warm-up, geleitet von Shae, 14 Jahre alt. Wild, frei, offen – und
erstaunlich verbindend. Hier verschwimmen Altersgrenzen, hier entsteht ein gemeinsamer
Rhythmus.


In den ersten beiden Tagen durchlaufen alle Kinder die Workshops: Jonglage, Kostümgestaltung, KPop,
Chor, Breakdance und Improtanz . Sie probieren sich aus, wechseln Orte, entdecken Neues.
Bis zu acht Räume gleichzeitig sind in Betrieb, überall auf dem ehemaligen Campus ist Bewegung,
Musik, Konzentration, manchmal auch Chaos – produktives, lebendiges Chaos.


Am Ende des zweiten Tages treffen die Kinder ihre Wahl. Sechs Gruppen entstehen – nicht mehr
nach Alter, sondern nach Interesse. Von da an wird intensiver gearbeitet: geprobt, entwickelt,
ausprobiert, verworfen und neu gedacht.


Die Struktur ist klar, aber das Besondere liegt in der Verantwortung: Zehn Jugendliche leiten als
Künstler
innen die Kinder in den Workshops, zehn weitere begleiten als betreuende Teamerinnen
die Gruppen. Alle kommen aus Projekten rund um „Bad Honnef tanzt“, viele haben selbst als Kinder
hier angefangen. Jetzt stehen sie vorne. Die Arbeit aus 15 Jahren kultureller Bildung vor Ort trägt
sichtbare, starke Früchte.


Doch in dieser Woche geht es nicht nur um Tanz, Musik oder Performance. Es geht darum, die
eigene Rolle zu hinterfragen. Wie erkläre ich etwas? Wie leite ich eine Gruppe? Wie gebe ich meine
Leidenschaft weiter? Die Jugendlichen wachsen sichtbar – in ihrer Sprache, in ihrer Haltung, in
ihrem Selbstverständnis. Und die Kinder haben Spaß, berichten selbst, wie viel sie lernen –
vielleicht gerade deshalb, weil ihre „Meister
innen“ oft nur zwei bis vier Jahre älter sind :-)


Für das erwachsene Leitungsteam ist das ebenso bewegend. Zu erleben, wie aus ehemaligen
Teilnehmerinnen eigenständige Leiterinnen werden, wie sie Verantwortung übernehmen und die
künstlerische Arbeit weitertragen, ist besonders. Gleichzeitig bedeutet es auch, loszulassen – den
Raum bewusst den Jugendlichen zu überlassen und darauf zu vertrauen, dass sie ihn füllen -auf
ihre Art.


Die Tage sind lang: von 10 bis 16 Uhr wird mit den Kindern gearbeitet, dazwischen eine
gemeinsame Mittagspause auf der Wiese, mit Essen für alle. An einem der Tage wird das Projekt
sogar vom WDR-Fernsehen begleitet. Das Camp ist kostenfrei für alle Kinder -ermöglicht durch die
Unterstützung der aktion weltkinderhilfe.


Am Ende jedes Tages steht eine Feedbackrunde – zuerst mit den Kindern, dann unter den Jugendlichen. Reflektion gehört hier genauso dazu wie das Tun. Danach sind alle erschöpft, aber erfüllt.


Und doch endet es selten um 16 Uhr. Die Jugendlichen bleiben, irgendwie will man sich nicht trennen nach einem bewegenden Tag. Sie sitzen zusammen, sprechen über das Erlebte mit den Kindern, sie tanzen, filmen, arbeiten weiter an ihren Stücken, tauschen Ideen aus. Die Aufführungen wachsen nicht nur in den offiziellen Probenzeiten, sondern auch in diesen offenen, gemeinsamen Momenten.


Am letzten Tag zeigen sich alle Gruppen gegenseitig ihre erarbeiteten Szenen, es wird an einem Gesamtstück gearbeitet, Szenen werden verbunden und Abläufe geprobt – denn die große Premiere kommt noch: am 12. Juli, in 101 Tagen, beim Festival von „Bad Honnef tanzt“ auf großer Bühne.


Diese Woche zeigt, was möglich ist, wenn junge Menschen Verantwortung bekommen – und Vertrauen. Sie zeigt, wie viel Energie entsteht, wenn Lernen, Kunst und Gemeinschaft zusammenkommen. Und sie macht sichtbar, wie nachhaltig kulturelle Bildungsarbeit wirken kann: wenn Kinder zu Jugendlichen werden, die wiederum andere Kinder begleiten. Ein Kreislauf, der sich hier, im TanzLabor, gerade ganz konkret erleben lässt.

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