30 Jahre Shangilia – Danke, Njenga

05.08.2026

Ein Interview mit Japheth Njenga

Als Japheth Njenga 1996 zum ersten Mal durch das Tor von Shangilia in Nairobi trat, ahnte er sicher nicht, dass er so lange bleiben würde. Begonnen hatte er damals als ehrenamtlicher Helfer, der der Gründerin Ann Wanjuru bei der Buchhaltung half.

Heute, 30 Jahre später, ist der Heimleiter weit mehr als ein Direktor: Er ist Wegbegleiter, Zuhörer und Motivator – für mehrere Generationen von Kindern, die auf der Straße gelebt haben oder akut davon bedroht waren.

„Alles, was ich liebe, basiert darauf, das Kind erfolgreich zu sehen“, sagt Njenga. Dieser Satz fasst seine Haltung zusammen.

Viele Kinder kommen im Alter von drei oder vier Jahren zu Shangilia – zutiefst verletzt, misstrauisch und oft viel zu früh erwachsen.

„Auf der Straße hat ein Zehn- oder Vierzehnjähriger oft mehr erlebt als ein 25-Jähriger in seinem gesamten Leben“, erklärt Njenga. „Sie wieder zur Ruhe zu bringen – und ihnen zu erlauben, einfach Kinder zu sein – das ist eine große Aufgabe.“

Besonders bewegt ihn die Geschichte eines Jungen, der auf der Straße geboren wurde und in Shangilia aufwuchs. Seine Mutter war schwer krank, ein Aufwachsen bei ihr unmöglich. Der Junge blieb im Heim, besuchte die Schule und entdeckte seine Talente – auf der Bühne und im Sport. Vor allem die Trompete hatte es ihm angetan.

„Heute arbeitet er für die Kapelle des kenianischen Präsidenten“, erzählt Njenga sichtlich stolz. „Wenn ich sehe, was aus ihm geworden ist, weiß ich: Unsere Arbeit lohnt sich.“

Ein zentraler Baustein dieser Arbeit sind die darstellenden Künste.

Tanz, Theater und Musik sind bei Shangilia weit mehr als Freizeitangebote.

„Diese Kinder wurden vernachlässigt, misshandelt, ausgeschlossen“, sagt Njenga. „Auf der Bühne erleben sie zum ersten Mal Applaus.“

Und plötzlich verändert sich etwas Grundlegendes:

„Sie merken: Oh mein Gott, da ist etwas Gutes an mir.“

Auch nach 30 Jahren blickt Japheth Njenga nicht zurück, um zu verharren – sondern nach vorn. Neue Herausforderungen bleiben, ebenso große Ziele.

Besonders wichtig ist ihm heute die psychologische Begleitung der Kinder.

„Viele tragen ihre Vergangenheit bis ins Erwachsenenalter mit sich“, sagt er. „Wenn wir sie hier erreichen, verändert das ihr ganzes Leben.“

Deshalb wurde jetzt eine Psychologin angestellt, die dreimal in der Woche kommt und Gespräche für die Kinder anbietet.

Was ihn persönlich antreibt?

„Ein Kind kommt als Kleinkind – und eines Tages steht es selbstständig im Leben.“

Für Japheth Njenga ist das der größte Erfolg. Und der Grund, warum Shangilia für ihn nicht nur ein Arbeitsplatz ist, sondern ein Zuhause – seit nunmehr drei Jahrzehnten.

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